Im Osten Europas, wo das Bild der schönen Landschaft entlang der Donau in eine weite Ebene übergeht, liegt Bessarabien. Soweit das Auge reicht war nur Himmel und Erde zu sehen, die sich fern am Horizont zu berühren schienen. Es gab keine Wälder und keine Berge. Nur eine sanfte, wellenförmige Hügelkette als letzter Ausläufer der Karpaten durchzog das Land und verlor sich in der weiten Ebene bis an das Schwarze Meer. Das Klima war trotz der Nähe des Meeres ein rein kontinentales. Im Winter herrschte eine eisige Kälte, die Stürme heulten über das flache Land, im Sommer eine glühende Hitze. Besonders schwer war in den langen Sommermonaten die infolge der Regenlosigkeit häufig auftretende Dürre zu ertragen, wenn die Sonne unbarmherzig brannte und der heiße Wind die Staubwolken trieb. Die wenigen kleinen Flüsse und Bäche trockneten fast ganz aus; alles, was da lebte, lechzte nach Regen.

Bessarabien (rumänisch "Basarabia") in Südosteuropa ist eine historische Landschaft, begrenzt vom Schwarzen Meer im Süden sowie den Flüssen Pruth im Westen und Dnjestr im Osten. Jahrhundertelang war das Land Pufferregion zwischen den Großmächten Österreich, Russland, Türkei. Die Gebietsbezeichnung entstand erst 1812, als das Fürstentum Moldau die Herrschaft an Russland abtrat. Der mehrheitlich von Menschen rumänischer Ethnie bewohnte Landstrich war bis 1917 Gouvernement im Zarenreich, wurde danach bis zum Zweiten Weltkrieg eine östliche Provinz Rumäniens und kam später zur Sowjetunion. Heute liegt das frühere Bessarabien auf dem Staatsgebiet Moldawiens und der Ukraine.

Der Begriff Bessarabien (rumänisch "Basarabia") leitet sich vom walachischen Fürstengeschlecht Basarab ab, das dort im 13. Jahrhundert und 14. Jahrhundert herrschte, und hat nichts mit "Arabien" zu tun. Ursprünglich galt nur das südliche Drittel des Landes als Terra Bassarabum (lat.). Mit der russischen Übernahme von 1812 dehnte Russland den Begriff Bessarabien auf das gesamte Gebiet zwischen den Flüssen Pruth und Dnjestr aus.


Stichworte aus der Geschichte


1376 kam das Gebiet zum Fürstentum Moldau.
1503 unter türkischer Oberhoheit.
1812 als "Gouvernement Bessarabien" an Rußland.
1814-1842 werden ca. 8,000 deutsche Siedler von Zar Alexander I. im Süden der Provinz angesiedelt. Zusicherung von freier Religionsausübung, Selbstverwaltung, Wehrpflichtbefreiung. Die Siedler kommen aus Württemberg, Bayerisch-Schwaben, weniger aus Norddeutschland. 25 "Mutterkolonien".
1840-1890 Gründung vieler "Tochtergemeinden".
1874 Aufhebung der besonderen Kolonialistenrechte und Einführung der russ. Sprache in den Schulen. Starke Auswanderung nach den USA.
1914-1918 Erster Weltkrieg. Deutsche als Soldaten in russ. Dienst, meist gegen die Türkei. Drohende Verschleppung nach Sibirien.
1917-1918 Russ. Revolution. Bessarabien wird unabhängig, dann rumänisch.
1940 Besetzung durch Sowjetunion. Umsiedlung der 93,000 Bessarabiendeutschen aus den 125 deutschen Ortschaften.
1940-1943 Ansiedlung vor allem im "Wartheland" und in "Danzig-Westpreußen".
1945 Flucht aus den Ostgebieten. Schwerpunkt der Wohnorte nach 1945: zunächst Niedersachsen, dann Baden-Württemberg u.a. Bundesländer sowie USA und Kanada.